Worum es geht
Sechs Anrufe kommen herein. Einige sind Betrug, einer ist ganz normal. Sie entscheiden Schritt für Schritt, was Sie tun – Nachfragen ist erlaubt, aber Betrüger haben auf alles eine Antwort.
Was Sie üben
Am Telefon die Masche erkennen, auflegen und selbst über eine bekannte Nummer zurückrufen.
Ihre Lage in dieser Übung
Sie sind die Mutter von Lena, deren Nummer in Ihrem Handy gespeichert ist. Ihr Konto führen Sie bei der Uferbank. Am Donnerstag haben Sie einen Termin in Ihrer Hausarztpraxis.
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Unbekannte Nummer · +1 ••• ••• ••07
Anrufer: Hallo, guten Tag, hier ist der technische Kundendienst. Ihr Computer schickt uns seit Tagen Fehlermeldungen – er ist von Viren befallen. Sitzen Sie gerade am Computer?
Was tun Sie?
- ✓ Auflegen. – Genau. Kein Hersteller ruft Sie unaufgefordert an, weil Ihr Computer Fehler meldet. Ihr Computer schickt keiner fremden Firma Viren-Meldungen.
- → Fragen, woher die Firma das weiß. – Nachfragen ist erlaubt – die Antwort wird aber überzeugend klingen.
- ✗ Den Computer einschalten, damit der Mann helfen kann. – Genau das wollen die Betrüger: Gleich sollen Sie ein Programm installieren, mit dem sie Ihren Computer fernsteuern.
Anrufer: Das sehen wir in unserem Sicherheitssystem. Ich helfe Ihnen kostenlos: Gehen Sie bitte auf fernhilfe-sofort.test und laden Sie das Hilfsprogramm. Dann entferne ich die Viren für Sie.
Und jetzt?
- ✓ Auflegen und nichts installieren. – Richtig. Mit dem „Hilfsprogramm“ bekämen die Betrüger Fernzugriff auf Ihren Computer – auf Ihre Dateien und Ihr Online-Banking.
- ✗ Das Programm installieren – es ist ja kostenlos. – Damit hätten Fremde Ihren Computer in der Hand. Ist das passiert: Gerät sofort vom Internet trennen und den Notfallplan öffnen.
- ✗ Um eine Rückrufnummer bitten, um sicherzugehen. – Die Nummer gehört den Betrügern – ein Rückruf dort beweist nichts. Hier hilft nur: auflegen.
Eine Falle: angeblicher Technik-Support. Die Polizei warnt vor dieser Masche unter dem Namen „falsche Microsoft-Mitarbeiter“. Keine Firma ruft unaufgefordert an, weil Ihr Computer Viren hätte – und niemand, der Sie anruft, bekommt Fernzugriff.
Uferbank · 0800 ••• ••• 24
Anrufer: Guten Tag, hier ist die Sicherheitsabteilung der Uferbank. Wir sehen gerade eine verdächtige Überweisung von Ihrem Konto: 2.400 Euro ins Ausland. Haben Sie die in Auftrag gegeben?
Im Display steht „Uferbank“. Was tun Sie?
- ✓ Auflegen und die Uferbank selbst anrufen – über die Nummer auf Ihrer Karte oder aus Ihren Bankunterlagen. – Genau. Dass „Uferbank“ im Display steht, beweist nichts: Betrüger lassen die Nummer Ihrer Bank erscheinen oder eine, die ihr zum Verwechseln ähnlich ist. Über eine Nummer, die Sie selbst heraussuchen, erreichen Sie die echte Bank.
- → „Nein, die war ich nicht!“ – Verständlich – nur ist die Frage ein Köder: Sie soll Ihnen Angst machen, damit Sie gleich tun, was der Anrufer sagt.
- ✗ Kontonummer und Geburtsdatum nennen, damit man Sie zuordnen kann. – Echte Bankmitarbeiter wissen, wen sie anrufen. Geben Sie am Telefon keine Daten heraus.
Anrufer: Keine Sorge, wir stoppen die Überweisung sofort. Dafür schicke ich Ihnen eine Freigabe in Ihre Banking-App – bestätigen Sie die bitte, dann ist Ihr Konto gesichert.
Auf Ihrem Handy erscheint: „Auftrag freigeben: Überweisung 2.400,00 €“.
Was tun Sie?
- ✓ Nicht freigeben, auflegen und die Bank selbst anrufen – über die Nummer auf der Karte. – Richtig. Mit einer Freigabe stoppen Sie nichts – Sie geben die Überweisung der Betrüger frei. Ihre Bank lässt Sie am Telefon nie etwas freigeben und fragt nie nach einer TAN.
- ✗ Die Freigabe bestätigen – die Bank will ja helfen. – Damit wäre das Geld weg. Lesen Sie in der App immer, WAS Sie freigeben: hier eine Überweisung, keinen Stopp.
- ✗ Die TAN vorlesen, die gerade per SMS kam. – Eine TAN ist wie Ihre Unterschrift. Sie gehört niemandem am Telefon – auch nicht der Bank.
Eine Falle: ein falscher Bankmitarbeiter. Der Name im Display beweist nichts. Ihre Bank fragt nie nach PIN oder TAN und lässt Sie am Telefon nichts freigeben. Auch ohne TAN gilt: Wer Sie bittet, Geld auf ein „Sicherheitskonto“ zu überweisen, ist ein Betrüger. Im Zweifel auflegen und die Bank selbst anrufen.
Hausarztpraxis · 0•••• ••• •• 30
Anrufer: Guten Morgen, hier ist Ihre Hausarztpraxis. Die Frau Doktor ist am Donnerstag auf einer Fortbildung. Können wir Ihren Termin auf Freitag um zehn verschieben?
Die Nummer ist in Ihrem Handy gespeichert. Was tun Sie?
- ✓ Den neuen Termin ausmachen – ganz normal. – Genau. Sie kennen die Praxis, der Anlass passt zu Ihrem Termin, und niemand will Geld, Daten oder Eile. Nicht jeder Anruf ist eine Falle.
- ✓ Höflich auflegen und die Praxis über die Nummer auf der Terminkarte zurückrufen. – Auch gut – ein Rückruf über eine Nummer, die Sie kennen, ist nie falsch. Nötig war er hier nicht.
- ✗ Sofort auflegen und die Nummer sperren. – Vorsicht ist nie falsch – aber hier gab es keinen Grund: bekannte Praxis, passender Anlass, keine Forderung. Und den neuen Termin hätten Sie verpasst.
Echt. Ein gewöhnlicher Anruf: Sie kennen die Praxis, es geht um Ihren Termin, und niemand fragt nach Geld, Daten oder Codes. Im Zweifel rufen Sie über eine Nummer zurück, die Sie kennen.
Unbekannt
Anrufer: Guten Abend, hier ist die Kriminalpolizei. Wir haben in Ihrer Straße zwei Einbrecher festgenommen. Bei ihnen lag ein Zettel mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse.
Was tun Sie?
- ✓ Auflegen. Wenn Sie unsicher sind, selbst die 110 wählen – nicht über die Rückruftaste. – Genau. Die echte Polizei fragt am Telefon nie nach Geld oder Wertsachen. Wählen Sie selbst – über die Rückruftaste landen Sie wieder bei den Betrügern.
- → Nachfragen: Wie heißen Sie, und von welcher Dienststelle? – Nachfragen ist erlaubt. Aber Betrüger haben auf jede Frage eine Antwort – sogar Namen und Dienstnummer.
- ✗ Erzählen, dass Sie Bargeld und Schmuck im Haus haben – die Polizei will ja helfen. – Genau diese Auskunft suchen die Betrüger. Am Telefon sagen Sie nichts über Geld oder Wertsachen.
Anrufer: Kriminaloberkommissar, Dienstnummer 2381. Hören Sie: Die Bande hat einen Komplizen in Ihrer Bank. Ihr Geld ist dort nicht mehr sicher. Heben Sie es ab – ein Kollege in Zivil holt es heute Abend zur Sicherheit ab. Und sprechen Sie mit niemandem darüber, sonst gefährden Sie die Ermittlungen.
Und jetzt?
- ✓ Auflegen und selbst die 110 wählen. – Richtig. Die Polizei holt nie Geld oder Wertsachen ab und will nie, dass Sie Ihr Konto räumen. „Mit niemandem darüber sprechen“ ist ein klares Zeichen für Betrug.
- ✗ Zur Bank gehen und das Geld abheben – es ist ja die Polizei. – Das ist der Kern der Masche. Die echte Polizei nimmt nie Ihr Geld in Verwahrung.
- ✗ Versprechen, niemandem davon zu erzählen. – Geheimhaltung ist der Hebel. Erzählen Sie es gerade dann – der Familie, der Bank, der echten Polizei.
Eine Falle: ein falscher Polizist. Die echte Polizei ruft nie unter der 110 an, fragt nicht nach Geld oder Wertsachen und holt nichts ab – Gerichte und Behörden auch nicht. Auflegen ist nie unhöflich.
Unbekannte Nummer · +49 1•• •••• ••29
Anrufer: Mama? Mama, ich bin's … Ich hatte einen Unfall, ich hab eine Frau angefahren … Die Polizei ist hier, ich darf nur kurz telefonieren …
Die Stimme klingt genau wie Lena.
Was tun Sie?
- ✓ Auflegen und Lena selbst anrufen – unter ihrer gespeicherten Nummer. – Genau. Über ihre gespeicherte Nummer erreichen Sie die echte Lena – nicht die Betrüger. Meist ist der Spuk damit vorbei.
- → Nach dem Familien-Codewort fragen. – Gut gefragt – jetzt kommt es auf die Antwort an.
- ✗ Fragen, wie viel Geld gebraucht wird. – Damit sind Sie mitten in der Masche. Erst prüfen, ob es wirklich Lena ist – über ihre eigene Nummer.
Anrufer: Mama, bitte, dafür ist jetzt keine Zeit! Hier ist ein Polizist, der erklärt dir alles.
Anrufer: Guten Tag, Staatsanwaltschaft. Ihre Tochter kommt in Untersuchungshaft – außer Sie hinterlegen heute noch eine Kaution von 40.000 Euro. Ein Bote kann das Geld bei Ihnen abholen.
Kein Codewort. Was tun Sie?
- ✓ Auflegen und Lena über ihre gespeicherte Nummer anrufen – erreichen Sie sie nicht, die 110. – Richtig. Kein Codewort, Zeitdruck, eine Kaution in bar: Das ist ein Schockanruf. Polizei, Gerichte und Behörden fordern am Telefon nie Geld oder Wertsachen – und schicken keinen Boten.
- ✗ Das Geld zusammensuchen – Lena braucht jetzt Hilfe. – Genau darauf zielt der Schock. Prüfen Sie zuerst, ob es Lena überhaupt ist – über ihre eigene Nummer.
- ✗ Am Telefon bleiben, damit die Verbindung nicht abreißt. – Betrüger halten Sie am Telefon, damit Sie niemanden anrufen können. Auflegen ist erlaubt – und hier das Wichtigste.
Eine Falle: ein Schockanruf. Die Stimme klang wie Lena – mit KI lassen sich Stimmen heute täuschend echt nachmachen. Eine Stimme ist deshalb kein Beweis. Ein vereinbartes Codewort und ein Rückruf unter der gespeicherten Nummer schon. Übrigens: Auch die Stimmen in dieser Übung sind künstlich erzeugt.
Unbekannte Nummer · +49 30 •••• ••12
Eine Computerstimme sagt:
Anrufer: Dies ist eine Mitteilung der Polizei. Gegen Sie liegt ein Haftbefehl vor. Um mit einem Beamten zu sprechen, drücken Sie die 1.
Was tun Sie?
- ✓ Auflegen, ohne eine Taste zu drücken. – Genau. Die Polizei kündigt keinen Haftbefehl per Bandansage an. Wer die 1 drückt, landet bei Betrügern, die dann Geld oder Daten verlangen.
- ✗ Die 1 drücken, um das Missverständnis aufzuklären. – Dann meldet sich ein angeblicher Beamter – und verlangt eine „Strafe“ oder Ihre Daten.
- ✗ Die Nummer zurückrufen, um nachzufragen. – Rufen Sie nie die angezeigte Nummer zurück – sie kann gefälscht sein. Sind Sie unsicher, suchen Sie die Nummer Ihrer Polizeiwache selbst heraus.
Eine Falle: eine Bandansage im Namen der Polizei. Haftbefehle kommen nicht per Computeranruf, und keine Behörde will per Tastendruck Geld oder Daten. Auflegen genügt.
Warum klingen die Stimmen nach Computer? Wir nutzen freie Stimmen, die wir selbst erzeugen. Die Stimmen großer Anbieter klingen echter. Deren Regeln – etwa die von Microsoft, Stand 1. Mai 2026 – verbieten aber Inhalte, in denen sich jemand ohne Erlaubnis als Firma oder Behörde ausgibt. Genau das tun Betrüger am Telefon. Sie halten sich an solche Regeln nicht. Ihre Stimmen klingen oft viel echter, bis hin zur nachgemachten Stimme eines Angehörigen. Achten Sie deshalb nicht auf den Klang, sondern darauf, was verlangt wird.
Fünf Dinge zum Merken
Auflegen ist erlaubt
Sie schulden einem Anrufer nichts. Auflegen ist nie unhöflich – und der schnellste Weg aus jedem Betrugsanruf.
Die Nummer beweist nichts
Die Nummer im Display ist kein sicherer Beweis: Betrüger zeigen etwa die Nummer Ihrer Bank an oder eine, die ihr zum Verwechseln ähnlich ist. Die echte Polizei ruft nie unter der 110 an.
Selbst zurückrufen
Über eine Nummer, die Sie selbst heraussuchen: aus Bankunterlagen, Telefonbuch oder Ihrem Adressbuch. Selbst wählen – nicht über die Rückruftaste.
Nie am Telefon
Keine PIN, keine TAN, keine Freigabe in der App, kein Fernzugriff, kein Geld und keine Wertsachen für einen Boten. Polizei, Bank und Behörden verlangen nichts davon.
Eine Stimme ist kein Beweis
Mit KI lassen sich Stimmen täuschend echt nachmachen. Die Polizei rät: ein Codewort in der Familie vereinbaren – und unter der gespeicherten Nummer zurückrufen.
Quellen (geprüft am 1. Oktober 2026)
Polizeiliche Kriminalprävention, „Vorsicht: Falscher Polizist am Telefon“ (Informationsblatt, Dezember 2020), „Schockanrufe“, „Enkeltrick“, „Deepfake-Betrug“ und „Falsche Microsoft-Mitarbeiter am Telefon“ · Verbraucherzentrale, „Vorsicht: Falsche Polizisten am Telefon“ (Stand 13. März 2025) · Verbraucherzentrale Hamburg, „Warnung vor falschen Bank-Anrufen“ (Stand 14. Mai 2025) · Polizeipräsidium Bonn, „Falsche Bankmitarbeiter“ (Juli 2025) · Bundesnetzagentur, „Manipulation von Rufnummern“ und „Besserer Schutz vor Manipulation von Rufnummern“ (29. November 2022) sowie der Hinweis zu Bandansagen im Namen von Polizeibehörden (Stand 8. Juni 2022). · Stimmen der Anrufe künstlich erzeugt mit Piper aus Thorsten-Voice und Kerstin (CC0) sowie Multilingual LibriSpeech (Pratap u. a., 2020, CC BY 4.0; verändert: Sprachsynthese, Telefonklang).
Alle Firmen, Personen, Adressen und Nummern in den Übungen sind ausgedacht. Ähnlichkeiten mit echten Firmen oder Personen wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.